Zum Paulusjahr 2008


© Christa Krämer 2008


Herzlich Euer Paulus

Pünktlich zum am 25. Juni 2008 ausgerufenen Paulusjahr meldet sich der Apostel, einst leidenschaftlicher Briefeschreiber, als eben solcher zurück.
Lesen Sie, was er uns heute zu sagen hat.


Ich bin’s, Paulus

Liebe irdische Geschwister,
 
wie lange ist es schon her, dass ich meinen letzten Brief geschrieben habe? Ich kann mich kaum noch daran erinnern. Aber ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliches Handeln. Denn ich weiß nicht, wie ich mich Euch, die Ihr noch fern unserer himmlischen Heimat weilt, ansonsten mitteilen soll. Mit den charismatischen Fähigkeiten ist es unter Euch ja nicht mehr gerade zum Besten bestellt. Und Ihr tut auch gut daran, Vorsicht walten zu lassen; denn dieUnterscheidung der Geister ist eine heikle Kunst.
Schon seit geraumer Zeit ist mir aufgefallen, dass Petrus, mein Bruder im Herrn, geschäftig im ganzen Himmel unterwegs ist und in seinen Gesprächen stets verstummt, wenn ich in seine Nähe komme. Tuscheln hinter vorgehaltener Hand; und so etwas im Himmel!
Erst dachte ich ja, er wolle mir anlässlich meines 2000jährigen Jubiläums an unserem gemeinsamen Festtag am 29. Juni eine Überraschung bereiten. Ihr müsst nämlich wissen, dass wir hier oben Eure christlichen Feste samt und sonders übernommen haben. Schließlich erfüllt es uns mit großer Freude, dass Ihr Euch überhaupt noch an uns erinnert. Das ist keine Selbstverständlichkeit mehr.
Nachdem ich allerdings nicht herausfinden konnte, was den lieben Petrus so erregt und es bei uns hier auch keinerlei Anzeichen für ein außergewöhnliches Ereignis gab, habe ich mein Augenmerk auf Euch, Ihr lieben irdischen Geschwister, gelenkt. Und siehe da, was ist mir da zu Ohren gekommen? Ich dachte, mich trifft der Schlag, als ich in Rom mitten in eine Feier des amtierenden Petrusnachfolgers geraten bin, bei der dieser ein ganzes Jahr zu meinem Gedenken ausgerufen hat. Mensch, war ich baff! Kein Wunder, dass der arme Petrus hinter meinem Rücken tuschelt. Mir hat es bisher ja nichts ausgemacht, dass er von Euch bei unserem gemeinsamen Fest bevorzugt behandelt wurde. Aber Petrus ist ein zur Eifersucht neigender Typ. Da hat er wohl ganz schön dran zu knabbern, dass er mal ein ganzes Erdenjahr hinter mir zurückstecken muss.
Seid Ihr sicher, dass ich das verdient habe? Natürlich fühle ich mich zutiefst geehrt, und ich gebe zu, ich habe mir selbstzufrieden durch den Bart gestrichen, als ich erfahren habe, was Ihr für dieses Jahr so alles plant. Auch ich bin nicht frei von Eitelkeiten. Ihr habt Euch hinsichtlich Eures Vorhabens, in meine Fußstapfen zu treten und von mir lernen zu wollen, missionarisch Kirche zu sein, voll viel vorgenommen. Es steht außer Frage, dass ich Euch wünsche, Ihr möget damit Erfolg haben. Und wisst Ihr was? Ihr habt damit meinen alten Tatendrang zu neuem Leben erweckt. Deshalb habe ich beschlossen, Euch auf Eurem Weg durch Euer Paulusjahr mit neuen Briefen zu begleiten. Na, was sagt Ihr dazu? Ihr könnt mir nämlich glauben: So manches, was ich damals geschrieben habe, könnt Ihr nicht einfach wortwörtlich in die heutige Zeit übernehmen. Bedenkt doch, fast 2000 Jahre liegen dazwischen. Ich muss Euch gewiss nicht über die geschichtliche Entwicklung aufklären. Wenn ich nur an Eure letzten fünfzig bis
hundert Jahre denke, so rasant, wie sich das irdische Leben da verändert hat, da kommen wir im Himmel ja kaum mit.
Deshalb glaube ich auch kaum, dass ich Gott, unseren Vater, dazu bewegen kann, einen DSL-Zugang auf meine Schreibstubenwolke legen zu lassen, damit ich schneller mit Euch in Verbindung treten kann. Aber ich bin mir sicher, der Heilige Geist wird sich einiges einfallen lassen, um mir meine Vorhaben zu erleichtern.
Auch wenn sich viel verändert hat, es gibt in meinen Aufzeichnungen viele Passagen, die auch noch nach all der Zeit an Gültigkeit und Brisanz nichts eingebüßt haben. Doch davon, Ihr Lieben, werde ich in meinen folgenden Schreiben berichten. Ich muss mich jetzt nämlich verabschieden. Ihr glaubt ja nicht, wie wund meine Finger schon sind, nachdem ich so viele Jahre nicht mehr zur Schreibfeder gegriffen habe. Seid getrost, Ihr hört bald wieder von mir. Vielleicht finde ich auch jemanden, den ich zu Euch schicken kann, damit sie oder er Euch Mut zuspricht.
Meine Liebe ist mit Euch allen in Christus Jesus.
(Hoppla, das kommt mir irgendwie bekannt vor.)
Euer
Paulus

Über Allem die Liebe

Liebe irdische Geschwister,
 
wie einstmals finde ich keine Ruhe und es drängt mich, mich Euch mitzuteilen, Euch darauf hinzuweisen, aus welchem Quell heraus Ihr bei Euren Vorhaben schöpfen sollt.
Ihr habt Euch so viele Gedanken darüber gemacht, was Ihr heute unter missionarischer Kirche verstehen wollt. « Gottes Liebeserklärung an diese Welt konkret werden lassen », habt Ihr es zum Beispiel genannt. Wie sehr sprecht Ihr mir damit aus der Tiefe meiner Seele. Bedenkt doch, über allem ist die Liebe!
Ja, ja, ich weiß, manch eine/r von Euch wird jetzt die Nase rümpfen und ausrufen: „Ach, bleib mir doch vom Acker mit dem ewigen Liebes-Gesülze!“ Glaubt mir, es ist mir auch hier oben nicht verborgen geblieben, wie abgedroschen dieses eine kleine Wort inzwischen bei Euch unten ist. Dabei ist es noch immer das Größte unter allen anderen. Ihr müsst nur lernen es herausleuchten zu sehen aus der Fülle der Alternativangebote, mit denen der wahre Kern dieses Wortes verfälscht und verwechselt wird. Denn allein Gottes Liebe zu den Menschen ist der Maßstab, an den Ihr all Euer Handeln anlegen solltet.
Viele von Euch, die Ihr Euch Gottes Mitarbeiter/innen nennt, scheinen vergessen zu haben, auf welchen Grundstein uns Christus gelehrt hat, seine Kirche zu bauen. Gottes Liebeserklärung konkret werden zu lassen, heißt doch in erster Linie, Liebe schenken, seinen Nächsten – wer immer es auch sei – mit Augen voll Liebe sehen lernen.
Ihr erinnert Euch, dass ich in Bezug auf alle Gnadengaben gesagt habe: .. hätte aber die Liebe nicht. Euer ganzes Bemühen des vor Euch liegenden Jahres würde ins Leere zielen. Besinnt Euch also zuallererst, ehe Ihr Euch in Eure ehrenvolle Arbeit, es mir gleich zu tun, stürzt, auf die Liebe. Überprüft den Grund Eures Handelns. Wollt Ihr es Euch selbst zum Ansehen tun, dann lasst es lieber gleich bleiben. Der Mühe wert ist nur, was die Liebe will. Glaubt mir, ich weiß, wovon ich rede; denn ich bin damals schließlich auch nicht in der Weltgeschichte herumgereist, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheiten vorzutragen, sondern um Euch das Herzstück unseres Glaubens zu verkünden – und ich kann es nicht oft genug wiederholen: Am größten aber ist die Liebe!
Sie ist nicht nur Gefühl. Sie ist niemals fertig und sie hört niemals auf. Nur durch Liebe kann Liebe wachsen, größer werden, sich ausbreiten. Es ist keine Schande, ihr unermüdlich hinterher zu rennen. Denn je tiefer die Liebe sich in Euch verwurzelt, umso mehr wird es Euch gelingen, Eure hehren missionarischen Ziele zu erreichen.
Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie selig ich darüber bin zu sehen, dass es nach so langer Zeit wieder eine Generation gibt, die sich traut, sich auf die Hinterbeine zu stellen, um die Qualität ihres Zeugnisses von Gott verbessert in ihre Gesellschaft zu tragen. Deshalb mahne ich Euch, wie ich einst meine lieben Korinther gemahnt habe:
Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark! Alles was Ihr tut, geschehe in Liebe.
Euer
Paulus

Ich bin Christ

Liebe irdische Geschwister,
 
in meinem ersten Brief an meine geliebte Gemeinde in Korinth habe ich geschrieben, dass ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt habe und ein anderer weiterbaue. Soll ich Eure missionarische Tätigkeit in diesem Sinne verstehen? Ich denke schon. Denn wenn Ihr sagt, Ihr wollt von mir lernen, so könnte man auch sagen, Ihr wollt auf den von mir gelegten Grundmauern weiterbauen.
 
Zuallererst möchte ich Euch deshalb an das erinnern, was ich in diesem Zusammenhang besonders betont habe: Einen anderen Grund kann niemand legen als der, der gelegt ist: Jesus Christus.
Was heißt das konkret? Es bedeutet: Jesu Handeln ist die Maxime meines eigenen Tuns! Was er uns vorgelebt hat, und das wisst Ihr aus den Evangelien, habe ich selbst in meinen Briefen bezeugt und vertieft. Deshalb will ich doch gleich mal fragen, wie es denn mit Eurem Zeugnis aussieht. Missionarisch tätig sein, heißt doch, Zeugnis ablegen, oder?
Keine Angst, ich meine damit nicht, dass Ihr Euch jetzt zum Beispiel sonntagmorgens vors Fitnessstudio oder auf den Sport- oder Tennis- oder Golfplatz stellen und Euren Mitmenschen das Katholische Sonntagsblatt anpreisen sollt. Es macht auch keinen Sinn, dass Ihr jeder/jedem Xbeliebigen mit Jesus-liebt-dich-Gehabe in die Arme fallt. Und am allerschlimmsten wäre, wenn Ihr meint es genüge, Euren Glauben durch edlen Schmuck zur Schau zu stellen, welchen Ihr Euch um den Hals hängt oder an die Finger steckt.
Überlegt doch mal ganz nüchtern: Woran erkennen Eure Nächsten, dass Ihr Christen seid? Habt Ihr überhaupt schon mal das Wort „Christ/in“ verwendet, wenn es darum ging, etwas über Euch auszusagen?
Meinen Beobachtungen der letzten Jahre nach seid Ihr geradezu Meister darin, Euch einander vorzustellen. Mein Gott, wie einfallsreich Ihr Euch dabei gebärdet. Es ist unglaublich! Nehmt es mir nicht übel, aber wenn wir uns hier im Himmel mal langweilen, was freilich äußerst selten der Fall ist, dann mischen wir uns am liebsten unter solche Versammlungen, bei denen Ihr Euch einander erzählt, wer Ihr seid. Ihr könnt mir’s glauben, ich habe noch nicht erlebt, dass eine/r von Euch schon mal gesagt hat: „Also zuallererst bin ich Christ/in.“
Ja, aber hallo, lieber Paulus, werdet Ihr jetzt vielleicht einwenden, wozu muss ich das extra sagen, wenn wir uns in kirchlichem Rahmen treffen. Das weiß man doch.
Ja, aber hallo, Ihr Lieben, ruf’ ich dann zurück, probiert es doch einfach mal aus! Mal sehen, was passiert. Ich glaube nämlich, Ihr habt eine große Scheu davor, diesen Satz „Ich bin Christ/in“ auszusprechen. Irgendwie kann ich es Euch ja nicht verübeln. Aber bei aller Liebe frage ich mich trotzdem, warum.
Ich weiß, Ihr habt keine Schwierigkeiten damit zu sagen: „Ich bin Bischof“ – „Ich bin Pfarrer“ – „Ich bin Nonne“ – „Ich bin Pastoralreferent/in“ – „Ich bin Diakon“ – „Ich bin Kirchengemeinderat“ – „Ich bin Diözesanrätin“ – „Ich bin Leiter/in einer Jugendgruppe“ – „Ich bin Oberministrant/in“ usw.. Natürlich, das alles seid Ihr letztendlich, weil Ihr Christen seid. Was ich aber zu bedenken gebe ist: Bekenne ich mich, wenn ich zum Beispiel sage „Ich bin Priester“ damit wirklich zu demjenigen, der Grundstein meines Denkens und Handelns ist? Oder bezeuge ich damit nicht eher mich selbst, meine eigene Person mit all meinen
Eitelkeiten?
„Ich bin Pfarrer oder Kirchengemeinderat usw.“, das ist doch eher eine Berufs- oder Statusbezeichnung. Sie dient lediglich dazu, Eurem Gegenüber zu erklären, in welcher Funktion Ihr in Eurer Gemeinschaft wirkt. Und sie dient, wie ich das hier oben oft empfinde, auch dazu, vor Ort einen Hauch von Vatikan zu versprühen, einen Spritzer amtskirchliches Parfüm. Ihr versteht sicher, was ich meine.
Wollt Ihr also in der Tat missionarisch tätig sein, dann solltet Ihr zuallererst lernen zu sagen: „Ich bin Christ/in!“. Ganz ohne Hintergedanken, ganz ohne Statusdenken Eurer Welt. Steht doch einfach mal vor den Spiegel und versucht es. Ich bin gespannt!
Und glaubt mir, nur wer frohen Herzens laut und deutlich von sich sagen kann, dass er Christus angehört, ein Verwalter von Geheimnissen Gottes ist, nur dem wird es gelingen, zu bezeugen und weiterzugeben, was er vorgibt selber zu sein. Und wenn es Euch dann noch gelingt den Menschen um Euch zu zeigen, wie Ihr als Christen lebt, dann schafft Ihr es gewiss auch, damit zu überzeugen.
Nicht um Euch bloßzustellen schreibe ich das, sondern um Euch als meine geliebten Kinder zu ermahnen.
Euer
Paulus

Paulus und die Frauen

Liebe irdische Geschwister,
 
heute wende ich mich vor allem an Euch Brüder, die Ihr in kirchlichen Diensten steht. Denn ein Thema brennt mir fast wie Feuer unter den Nägeln, und das ist die Stellung der Frauen unter Euch in Eurer irdischen Kirche.
Ich komme in diesem Zusammenhang zurück auf das, was ich hinsichtlich der Grundsteinlegung noch gesagt habe, nämlich:
Jeder solle darauf achten, wie er weiterbaue. Nachdem seit meinem Wirken so viel Zeit vergangen ist, stellt sich mir nämlich die Frage, ob nicht einige dieser Grundsteine – durchaus zu Recht – so stark erschüttert wurden, dass auf ihnen ein Weiterbauen gar nicht mehr sinnvoll erscheint. Oder anders gefragt: Ist so mancher Grundstein nach der hinter Euch liegenden 2000jährigen Geschichte überhaupt noch tragfähig?
In allererster Linie denke ich da an das, was ich seinerzeit über das Verhalten der Frau im Gottesdienst gesagt haben soll. Lest Euch ruhig meine Briefe nochmals durch und beobachtet, wie ich dort sonst noch von einzelnen Frauen gesprochen habe. Wenn ich zum Beispiel von ihnen gesagt habe, sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft, was meint Ihr wohl, wie sie das bewerkstelligt haben? Bestimmt nicht dadurch, dass sie sich bedeckten Hauptes still in eine Ecke gesetzt und ihren Mund gehalten haben.
Wenn ich mich trotzdem später dazu habe verleiten lassen zu sagen, dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht, sie soll sich still verhalten, dann hatte das gewiss seinen Grund in dem gesellschaftlichen Ordnungsdenken meiner Zeit, also in der Tradition, in der ich aufgewachsen bin. Seht es mir also bitte nach, und in aller Dringlichkeit möchte ich Euch bitten Euch damit auseinanderzusetzen, was Ihr heute über das Wesen der Frau wisst und es
Euch und der Kirche zu Nutzen zu machen.
Ich gebe zu, ich habe die Entwicklung und Eure Debatten diesbezüglich stets mit großem Interesse verfolgt. Es ist ein Thema, das mir, wie schon am Anfang dieses Briefes erwähnt, heute besonders unter den Nägeln brennt. Wie nur soll ich zusammenfassen, womit Ihr auf Erden reihenweise Bücher gefüllt habt? Ich will versuchen, das für mich Wichtigste und Wertvollste dazu herauszufiltern.
Was ich gesehen habe ist, dass viele Frauen, vor allem diejenigen, die sich auf Christus hin berufen fühlen, von ihren Brüdern im Herrn in ihrem Wert herabgesetzt fühlen. So, wie ich das von hier oben aus beurteilen kann, liegen diese Frauen mit ihrer Einschätzung auch durchaus richtig.
Noch immer gibt es unter Euch eine Reihe solcher Pfarrer, die – und die anders Denkenden mögen es mir nachsehen – kleine Päpste sind, wie Euer Bruder Michael Graff es einmal gesagt hat. „Der Papst besitzt kraft seines Amtes die oberste, volle, unmittelbare und allgemeine ordentliche Gewalt in der Kirche… Die päpstliche Gewalt ist universal, sie erstreckt sich auf die ganze Kirche und betrifft alle Teilkirchen wie auch jeden Gläubigen“, so meint es zumindest Euer Recht, das Ihr Euch gegeben habt. Wenn ich also bedenke, dass es auf der Erde keinen anderen Menschen gibt, der mit einer solchen Machtfülle ausgestattet ist, und wenn ich weiter bedenke, dass also Eure sogenannte Amtskirche aus einem großen und vielen kleinen Päpsten besteht, dann , Ihr lieben Brüder, ist es kein Wunder, dass die Frauen Eurer Zeit aufbegehren, aufschreien, sich wehren, sich von Euch aus dem gemeinsamen Dienst des Verwaltens der Geheimnisse Gottes ausgegrenzt fühlen.
Deshalb möchte ich Euch in Erinnerung rufen, was ich des Weiteren an meine lieben Korinther geschrieben habe: Im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau – und – denn alle seid ihr Einer in Jesus Christus. Muss ich
Euch darüber hinaus denn wirklich nochmals an das Buch Genesis erinnern, wo es heißt, als Mann und Frau schuf er den gottebenbildlichen Menschen?
Wenn Gott also den Menschen in zwei verschiedenen Varianten, sag ich’s jetzt mal ganz flapsig, geschaffen hat, dann hat er sich – und hier appelliere ich auch an Euch Frauen – bestimmt etwas dabei gedacht. Ansonsten hätte er seine Erde nicht zwei verschiedenen Versionen ein und derselben Spezies anvertraut.
Was ich damit meine? Och, muss ich das tatsächlich aufs Tapet bringen? Eine Gleichung <> gibt es nicht, das meine ich.
Es geht den Frauen doch nicht um Gleichmachung. Es geht ihnen um gleiche Rechte und darum, in ihrer Andersartigkeit gleichen Wertes zu sein. Und davon ist Eure Kirche noch weit entfernt. Wovor, Ihr lieben Brüder, habt Ihr eigentlich Angst? Glaubt Ihr im Ernst, auch nur eine einzige Frau wolle genau so sein wie Ihr? Ganz bestimmt nicht! Befürchtet Ihr, dass sie den Spieß umdrehen und Ihr dann ihnen untergeordnet seid? Versteht Ihr denn nicht, Christus geht es nicht darum, dass irgendwer irgendjemand anderem untergeordnet ist. Es gibt keinen Stufenunterschied zwischen Mann und Frau. Eure Frauen sind bereit zum freien
Ineinanderordnen. Warum nutzt Ihr nicht endlich die Chancen, die ein solches Team – Euch liegt doch so viel an Teamarbeit! – bieten würde? Welch farbenprächtiger, fest gewebter Teppich würde daraus wohl entstehen! Der würde sich nicht so schnell abnutzen, egal, wie viele darauf herumtrampeln.
Ich hab’ mich mal umgesehen – und das wisst Ihr selbst: Würden alle Frauen, die sich, egal wie, in die Arbeit Eurer Kirche einbringen, Euch den Dienst quittieren, wie armselig würdet Ihr wohl dastehen? Und welch wundervolle Gemeinschaft
könnten sie aus eigener Kraft auch ohne Euch aufbauen! Sollte ich ihnen etwa dies erst schmackhaft machen, um Euch aus Eurem (ist das nicht paradox) „Dornröschenschlaf“ zu wecken? Aber auch das wäre nicht im Sinne der
Schöpfungsgeschichte und des Evangeliums Jesu. Denn so aber gibt es viele Glieder und doch nur einen Leib.Erinnert Ihr Euch? Kein Glied eines Leibes kann zum anderen sagen, ich brauch dich nicht. Denn Gott hat den Leib so zusammengefügt…, damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Ich kann’s auch heute noch nicht besser ausdrücken. Nutzt die Zeit!
Gott schütze die Frauen.
Euer
Paulus

Hey, Alter!

Hey, Du da. Ja, Du, mit dem Sixpack in der Hand. Klotz doch nicht so, Keine Angst, Du bist noch nicht ganz zugedröhnt und hörst richtig. Da redet einer mit Dir, den Du gar nicht sehen kannst. Das is’n Ding, was, Alter!
Also, hab gehört, dass man mit Euch Teenies ne andere Sprache sprechen muss, als mit den Grufties. Klar doch, kann ich verstehen. Wieso? Na, als ich jung war,wollt ich auch nicht auf die hören, die mir was zu sagen hatten. Das ist zwar schon fast 2000 Jahre her. Aber ich sag’s Dir, Alter, in diesem Punkt hat sich nicht viel verändert.
Weiß nicht, ob Du schon mal von mir gehört hast. Sagt Dir „Damaskuserlebnis“ was? Hast Du schon mal gehört und kannst Dich dunkel dran erinnern? Nicht schlecht, Alter. Wart’, ich helf Dir auf die Sprünge:
Vor Damaskus, so ner Stadt im Orient, hab ich total grasses Zeug erlebt. Bin von nem supergrellen Licht umzingelt worden. Das hat mich echt umgehauen. Da lag ich dann und einer, den ich nicht sehen konnte, hat mich zugetextet. So wie ich Dich jetzt. Nee, ich war nicht auf Droge. Das kannst Du mir wirklich glauben.
Und wer war’s? Jesus. Von dem hast Du aber schon gehört, oder? Das ist der, wegen dem Ihr eigentlich Weihnachten feiert. Ja, genau der, der in ner Hütte auf die Welt kam, in Bethlehem, dieser Stadt da in Israel, wo sie sich heut noch
immer gegenseitig die Köpfe einschlagen.
Weißt Du, ich war nämlich hinter seinen Leuten her, also all denen, die diese abgefahrenen Stories rumerzählten. Von wegen, Jesus sei von den Toten auferstanden usw.. Ganz neuen Kram, wie man mit seinen Kumpels umgehen soll und so, haben die verbreitet. Und ich war bis dato doch Jude und lebte streng nach deren Gesetzen. Das konnte ich doch nicht durchgehen lassen.
Aber ich sag’s Dir, Alter, drei Tage lang war ich total blind, nachdem es mich vor Damaskus auf die Schnauze gehauen hatte. Kannst Du Dir vorstellen wie das ist? Verbind Dir mal für ein paar Stunden die Augen. Verdammt hart, sag ich Dir. Zuerst gerätste völlig in Panik. Doch dann, wenn Du merkst, dass es total Nacht um Dich rum bleibt, dann fängst Du an, Deine Löffel zu spitzen. Und ich sag’s Dir, Alter, da hörst Du mehr, als Dir lieb ist.
Was, Dir geht’s gerade so? Tja, dann lausch mal, was ich mit Dir zu bequatschen hab.
Also wenn ich sehe, wie Ihr so abhängt, das gefällt mir gar nicht. Wörter gibt’s dafür, da muss ich erst mal in Eure Zeitungen reinschauen, damit ich die überhaupt schreiben kann. Alkopops, Drogen, Komasaufen, KO-Tropfen, Party-Machen, Nichts-als-Spaß-Haben – das sind die Götter, die Ihr anbetet. Hab den Eindruck, dass Ihr auf das Gelabere der Christusleute pfeift.
Bei Dir allerdings is noch Hoffnung, das spür ich. Warst Du nicht mal Ministrant und hast noch ein paar Dinge von denen im Hinterkopf? Hey, wir kramen mal ein bisschen in der Schatzkiste! Aber bleib bitte cool, wenn ich zunächst für Dich Chinesisch red. Keine Angst, ich helf Dir beim Übersetzen. Obwohl, das soll zur Zeit ne ganz angesagte Fremdsprache bei Euch sein, hab ich gehört.
Mir fällt zuerst ein, was ich mal in einem meiner Briefe geschrieben hab: Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Oh, ich seh schon, auf diesen Satz brauchst Du nen Schluck aus Deiner Pulle. Mach mal und denk doch dabei gleich drüber nach, was das auf Deutsch heißen könnte.
Also so ein Tempel, das war zu meiner Zeit ein ganz wichtiger und vor allem heiliger Ort. Ihr sagt heut je nach Größe Kirche oder Dom oder Kathedrale oder Kapelle dazu. Als ehemaliger Mini weißt Du, warum dort drinnen immer ein rotes Licht brennt. Richtig, es sagt Dir: Hier ist Jesus anwesend. Und zwar in Form von diesen geweihten Oblaten, die im Tabernakel, diesem meist goldenen
Schmuckkasten, gebunkert werden. Mehr will ich dazu jetzt nicht sagen. Das muss im Moment reichen.
So, und so was wie ne Kirche bist auch Du. Du willst es bloß meistens nicht wissen. Mensch, stell Dir das doch mal bildlich vor: Du bist der Martinsdom in Rottenburg oder die Eberhardskirche in Stuttgart oder die Basilika von Weingarten oder das Ulmer Münster.
Ich weiß, darüber nachzudenken, brauchst Du jetzt mal ne Weile. Deshalb laber ich heut auch nicht mehr. Erinner’ Dich, was ich vorhin gesagt hab’: Mach die Augen zu und tu, als ob Du blind wärst. Ich sag’s Dir, da fällt Dir bestimmt einiges zu diesem Thema ein. Wenn ich denk, dass Du’s kapiert hast, hörst Du wieder von mir. Bis dahin, Alter, cool bleiben und s’Ohr mal weg vom Handy.
Sonst haste keine Verbindung zum richtigen Sender.
Ach und übrigens, Deine Hose find ich echt geil. Könnte glatt konkurrieren mit den Zelten, die ich seinerzeit hergestellt hab. War doch eigentlich Zeltmacher von Beruf, weiß Du, bevor ich die Fliege gemacht hab und ein bisschen rumgetourt bin. Total nützlich, wenn man, wie ich, dauernd unterwegs war.
 
Bis dann mal und bleib locker!
Dein
Paulus

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