Herzschlag TT


Als gedrucktes Buch:

Ebersdorf 2011.
ISBN 978-942594-13-4, 9,90 Euro

 

Kindle’ , ‘Amazon’, ‘Amazon Create Space’ sind geschützte   Warenzeichen


Als eBook (für Amazon Kindle):

Christa Krämer bei Amazon

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Als Hörbuch:

Gelesen von der Autorin
Acht mp3 Dateien, 7h Spieldauer, Hörprobe

Erhältlich als gebrannte CD-R bei der Autorin zum Preis von 10 € (Vorkasse, incl. Versandkosten),

Digitaler Vertrieb bei Amazon


Handlungsskizze

Katja Kern befindet sich mitten in den Wechseljahren, als ihre Gefühle Kapriolen schlagen. Sie verliebt sich aufs Heftigste in den schnittigen, Sportwagen fahrenden EDV-Profi Axel Wild. Zunächst ist Katja noch amüsiert über diesen plötzlichen Hormonschub. Aber nicht lange, da gerät sie in eine arge Zwickmühle. Kopf und Herz kommunizieren miteinander und machen es Katja nicht gerade leicht. Dann bricht sich auch noch die Vergangenheit Bahn und Katja weiß nicht erst jetzt: Das Leben ist nicht Rosamunde!


Leseprobe

Katja Kern ist Anfang 50, gut verheiratet, mit zwei erwachsenen Kindern und in ihrem Handeln christlich orientiert. Spirituell zu leben ist deshalb eines ihrer vordringlichen Anliegen, jetzt, nachdem sie die Wechseljahre überwunden zu haben meint. Doch gerade als sie sich zu vierwöchigen Exerzitien im Alltag angemeldet hat, schlagen ihre Gefühle Kapriolen und Katja Kern verliebt sich aufs Heftigste in einen schnittigen, Sportwagen fahrenden EDV-Profi. Erst noch amüsiert über diesen an sich unerwünschten Hormonschub, gerät Katja Kern in eine arge Zwickmühle zwischen „den Freuden der Welt“ und ihrem spirituellen Anspruch an sich selbst. Kopf und Herz kommunizieren miteinander und machen es Katja nicht gerade leicht. Und dann bricht sich auch noch die Vergangenheit Bahn und Katja Kern weiß nicht erst jetzt: Das Leben ist nicht Rosamunde!

Eine witzig-spritzige Geschichte, wie sie Frauen in diesem Lebensabschnitt wohl nicht selten erleben. Bestimmt werden sich viele Leserinnen rund um diese Altersgruppe wiederfinden und herzlich über Katja – und hoffentlich sich selbst – lachen, aber sich auch vom Ernst einer solchen „Beichte“ bewegen lassen.

 

 

Es gehört viel Kraft dazu, Gefühle zu zeigen,

die ins Lächerliche gezogen werden können.

Anne Louise Germaine de Stael (genannt Madame de Stael)

 

Für meinen lieben Mann

 

Alle Personen, Namen, Geschehnisse und Vorgänge in dieser Geschichte sind rein fiktional. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind nicht beabsichtigt.

 


Ein letzter Blick in den Spiegel, bevor Katja das Büro verlässt. Schock! Mein Gott, dieses Grinsen, so kann sie unmöglich auf die Straße! Dieser vermaledeite Hormonschub ist ihr förmlich ins Gesicht geschrieben: Dauerlächeln, gerötete Wangen, leicht glasiger Blick, nicht enden wollender Schmetterlingsflug in ihrem Bauch.

Katja ist zweiundfünfzig neun Zwölftel Jahre alt. Noch vor gut einer Woche hat sie jeden Abend eine, wie ihr Arzt versicherte, harmlose Pille gegen Angstzustände geschluckt. Im Sommer dieses Jahres war Katja fest davon überzeugt, sämtliche leiblichen Begierden ein für alle Mal überwunden zu haben. Und das hat sie nicht im Geringsten gestört. Ganz im Gegenteil! Katja war regelrecht stolz darauf. Nein, die Freuden dieser Welt würden ihr endgültig nichts mehr anhaben können. Wie gut, dass Katja sich ausgerechnet jetzt zu Exerzitien im Alltag angemeldet hat. Es ist ihre volle Absicht, sich in den vier Oktoberwochen mit Leib und Seele der Kontemplation hinzugeben. Ein leeres Gefäß will Katja sein, in welches Gott seine Liebe, seine Anforderungen an sie würde ausgießen können unter dem Motto >Schweige und höre<.

Schweige und höre.

Nachdem die häusliche Nervensäge, ihr einundzwanzigjähriger Sohn, der sie jahrelang alle Kraft gekostet hat, was Katja viel zu lange nicht hatte wahrhaben wollen, vor vier Wochen endlich ausgezogen ist, hat Katja sich nach allen Regeln der meditativen Gestaltungskunst in seinem jetzt noch leeren Zimmer eine spirituelle Ecke eingerichtet. Oktober, also Rosenkranzmonat, also her mit der großen Gipsmadonna, die Katja im letzten Jahr antiquarisch erstanden hat. Ein weißes Chiffontuch schwungvoll auf den Boden drapiert, darauf die Marienfigur sowie einen Strauß lachsfarbener Gladiolen. Daneben eine große Kerze, Symbol für die Anwesenheit Gottes und zwei Teelichter, eines für sie selber, eines für die Person, für die Katja während der Exerzitien mitbeten soll.

Ohne jedwede Erwartung tritt Katja ihren ersten Übungsabend an. Sie sitzt aufrecht in dem alten schwarzen Sessel, beide Beine fest auf dem Boden, den Rücken gerade und bequem angelehnt, die Hände auf den Oberschenkeln, den Kopf nach oben ausgerichtet, die Augen geschlossen.

Schweige und höre.

Unglaublich, was Katja gleich am ersten Abend hört. Besser gesagt, sieht.

Vor ihrem inneren Auge ersteht groß und deutlich und in keiner Weise zu übersehen das Bild eines Mannes, der vor kurzem erst in ihr Leben getreten ist. Ausgerechnet ihr Göttergatte hat sie im Frühjahr auf ihn aufmerksam gemacht, als sie nach einer Lösung für ihre Adressverwaltung gesucht hat.

Axel Wild, seines Zeichens Fachmann für diverse EDV-Fragen. Er ist ein flottes Kerlchen. In vielerlei Hinsicht. Kaum auf das Problem angesprochen, schneit er, angetan mit schwarzer Schurwollhose und leuchtend weißem Halbarmhemd in Katjas Büro, macht sich ungeniert auf ihrem Schreibtisch breit, packt sein Laptop aus, steckt ungefragt seinen USB-Stick in ihren Rechner und weist sie an, ihm ihre Adressdaten zu übereignen.

Katja hat auch ne Schwäche für gutes Arbeitstempo. Aber dieser Mann, der zeigt ihr, was Speed ist. Und eh Katja versteht, was Sache ist, schwirrt er wieder ab, um wenige Tage später, diesmal in klerikal-schwarzem figurbetontem Poloshirt – Verdammt, steht dem Mann schwarz gut! – ihren Computer mit seiner Lösung zu füttern. Dabei ist ein EDVler doch von klerikalen Anwandlungen gewiss weit entfernt. Obwohl, wer früh morgens in zwölf Grad kaltem Wasser badet, wie er ihr beiläufig erzählt hat, der weiß, was Askese bedeutet. Katja fragt sich, ob er das nötig hat. Und sie denkt an jene zölibatär Lebenden, die sich aus gewissen Gründen unter die eiskalte Dusche stellen sollen. Aber das ist ein anderes Thema.

Wohl wegen ihrer offensichtlichen Schwäche für Schwarzröcke also und obwohl ihr zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht klar ist, dass Katja seit Neuestem darüber hinaus eine Schwäche für Glatzköpfe haben könnte, erledigt sie ohne Umschweife und widerspruchslos die Arbeit, die Axel Wild ihr anweist. Oder hat er Katja etwa mit noch mehr Speed ganz unbemerkt hypnotisiert? Wer weiß schon, zu was alles solche EDV-Profis fähig sind. Schließlich gehorchen denen fremde Computer blind. Warum dann nicht auch fremde Frauen.

Katja macht Urlaub, während eine Aushilfe sich mit der Bereinigung der Adressdaten befasst, damit Katja sich anschließend in das neue Programm einarbeiten kann. Axel Wild ist ständig präsent. Nein, nicht bei ihr! Ihr Angetrauter, der unlängst bei ihm eine Datenbankerstellerschulung absolviert hat, hängt tagtäglich über dem eigens für Katja angeschafften Netbook und programmiert. Immer in Griffbereitschaft die Seminarunterlagen von Axel Wild. Sein Name prangt oben auf jeder Seite.

Noch ist Katja immun gegen diesen Namen. Noch ist nicht die Zeit für schweige und höre.

Dann kommt der Tag, an dem Katja beginnt, sich wie wild in die Wild’sche Adressverwaltung zu vertiefen. Natürlich hat sie Änderungswünsche, natürlich tauchen Probleme auf, natürlich braucht Katja Axel Wilds Hilfe. Katja schreibt Mails, er ruft an.

Oh Mann, diese Stimme. Aber es bleibt keine Zeit, sich in sie zu vertiefen. Speed, speed, speed.

Langsam, Katja muss doch erst mal über diesen und jenen Vorschlag nachdenken – und ganz nebenbei diesen weichen Unterton genießen und sein echt süßes Lachen.

Geht nicht, Mister Speed will alles gleich aus dem Kopf haben. Er ist der Boss!

Dann steht er wieder vor ihr, just am ersten Tag ihrer Exerzitien. Katja spürt seine Nähe, wird zum ersten Mal seiner schönen Hände gewahr, riecht sein dezent aufgetragenes männlich-herbes Parfum und lächelt über seine braungebrannte Spiegelglatze sowie über seinen Lieblingssatz: „Versteh’n Sie?“

Heute plaudern sie noch ein wenig. Wo bleibt sein Speed?

Dann der Abend.

Schweige und höre.

Da sieht Katja ihn, groß und mächtig und sie fühlt wie ihr Herz rast, wie die Schmetterlinge im Bauch aus ihren Puppen schlüpfen, einer nach dem anderen, ein ganzer Schwarm, wie es warm wird in ihrem Unterleib.

„Ich glaub’, ich spinne! Himmel noch mal!“

Katja ist fast dreiundfünfzig Jahre alt, hat einen wundervollen Ehemann, mit dem sie eben ein absolut heißes Wochenende verbracht hat, ist gut versorgt und seit Neuestem in erlauchtem Kreis ehrenamtlich engagiert. Was, zum Teufel, hat er, was ihr also fehlen könnte?

Schweige und höre.

Bestimmt sind es die Hormone. Es müssen die Hormone sein. Die spielen verrückt. Die spinnen doch!

Katja lacht und weint, freut sich irgendwie, dass sie noch einmal zu solchen Gefühlen fähig ist und schämt sich derer gleichzeitig und ist sich hundertprozentig sicher, morgen ist alles vorbei.

Schweige und höre.

Pustekuchen! Das war erst die Zündschnur zum Feuerwerk. Diese vermaledeiten Hormone. Sie spielen nicht nur verrückt. Die machen Katja mehr als verrückt.

Bestimmt mache ich mich total lächerlich und lande demnächst im Irrenhaus.

Schweige und höre.

In Katjas Gedanken: Axel Wild.

Schweige und höre.

In Katjas Bauch: Axel Wild.

Schweige und höre.

In Katjas Herz: Axel Wild.

Schweige und höre.

In all ihrem Fühlen: Axel Wild.

Schweige und höre.

Kopf: Kannst du nicht ein bisschen Speed geben, Axel, und aus uns verschwinden?

Herz: Aber bitte nicht aus meinem Leben.

Kopf: Nein, bitte nicht verliebt. OH, diese elende Emotionalität, mit der du am Ende doch nicht zurecht kommst, und die dich Dinge tun lässt, die du besser sein lassen solltest.

Herz: Ach, da ist sie ja, meine rosarote Brille.

Kopf: Stooooopp! Nicht aufsetzen!

Herz: Ich kann’s nicht lassen.

Kopf: Die will mich doch nicht wirklich ausschalten? Mensch, Mädchen, du bist fast dreiundfünfzig.

Herz: Was sagt der Wetterbericht? Herbstgrau, Morgenfrost, erster Schnee? Kann nicht sein! Alles leuchtet doch so schön bunt.

Auf ins Büro. Katjas Chefin, sie hat wieder ein Problem mit der Datenbank. Wie schön, Email an Axel.

Das Telefon klingelt.

„Ja, der Axel Wild hier.“

Kopf: Ganz cool und locker bleiben.

Herz: Speed, speed, speed.

So ganz versteht Katja das Problem ihrer Chefin nicht. Axel Wild auch nicht. Sie macht aus allem ein kleines bis mittelschweres Drama. Entscheidungsfreude gehört selten in ihren Wortschatz.

Katja sitzt ein wenig zwischen den Stühlen. Axel Wild will, wie immer, alles schnell aus dem Kopf haben. Die Chefin kapiert nicht, dass eine Datenbank auf Befehle hin reagiert, die logisch sein müssen. Ein Computerprogramm ist auch nur ein Mensch. Da geht nicht alles auf Knopfdruck. Auch wenn man es hie wie da gern hätte.

Wie verklickert Katja Axel Wild das Problem, vor allem das, welches sie mit ihrer Chefin hat, ohne als illoyal dazustehen. Außerdem will Katja nicht, dass sie sich übervorteilen. Katja schreibt wieder eine Mail. Vorsichtshalber von ihrem privaten Account.

Es freut mich, dass Sie sich um mich sorgen.

Herz: Riesensprung.

Kopf: Sei still!

Schweige und höre.

Kopf: Das heißt doch gar nichts, Mädchen. Ist doch nur eine nette Aussage.

Herz: Und warum schreibt er die Worte dann an den Anfang seiner Mail?

Kopf: Zufall. Lass das Rumstochern. Es bringt nichts.

Herz: Lies es noch mal.

Es freut mich, dass Sie sich um mich sorgen.

Kopf: Jetzt ist Schluss damit. Lass es. Arbeite endlich weiter.

Schweige und höre!

 

Die Stadtbahn eilt gen City. Wie jeden Morgen ist Katja vertieft ins Stundenbuch. Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft, heißt es in der Lesung aus dem alttestamentlichen Buch Deuteronomium. Katja stellen sich sämtliche Härchen auf. Jetzt weiß sie’s: Sie soll versucht werden. Begleiterscheinung der Exerzitien. Wurden nicht alle großen Heiligen von Dämonen heimgesucht? Himmel, Katja ist doch gar keine Heilige. Eher das Gegenteil.

Katja muss an Frederic denken, einen Kommilitonen, seit vielen Jahren Priester. Noch immer bricht er mit seinem romantischen Augenaufschlag und seiner beeindruckenden Körpergröße von einem Meter fünfundneunzig reihenweise Frauenherzen, hat Katja vor kurzem gehört. Auf sie hat er zum Glück nie gewirkt. Schönlinge sind überhaupt nicht ihr Typ. Die hat frau nie für sich allein. Katja reagiert eher auf die tieferen Schichten. Frederic soll ein Verhältnis haben. Mit einer verheirateten Frau. Und von der Kanzel predigt er eheliche Treue. Und wenn sich ein junges Ding oder auch eine erfahrene Frau ihm offenbart, klimpert er noch immer unschuldsvoll mit seinen langen feinen Wimpern und wispert: Ich kann doch nichts dafür, dass sich alle in mich verlieben. Dieser elende Windhund!

Heute fühlt sich Katja nicht besser als er. Kein Fünkchen! Bei der erstbesten Gelegenheit, wenn es sie denn gäbe, würde sie da Axel nicht glatt auf ihre Matratze zerren? Sodom und Gomorra! Katja will doch heiligmäßig leben, kontemplativ, spirituell. Aber nein, die Welt macht ihr einfach so einen Strich durch die Rechnung. Besser gesagt, die Hormone. Also doch ab ins Kloster!

Kopf: Jetzt bleib aber mal auf dem Teppich! In ein paar Wochen wirst du über diese Angelegenheit lachen.

Herz: Hallo, Hormönchen, seid ihr noch da?

Natürlich sind sie da. Und wie.

Wie ein Backfisch sinnt Katja darüber nach, wie sie Axel an die Strippe und an den Haken bekommen könnte.

Das Telefon klingelt.

„Ja, hier ist der Axel Wild.“

„Hallo, Herr Wild, das ist aber schön Sie zu hören.“

Bin das tatsächlich ich, die in allerfeinstem Schmalz in den Hörer flirtet?

Seit wann kann Katja flirten? Das hat sie bisher doch nie hingekriegt. Ist immer heillos in die Hosen gegangen. Und plötzlich hat Katja Oberwasser. Ihr Geist sprüht nur so vor Witz und Zweideutigkeit.

Woher nehm ich bloß den Mut?

Axel scheint’s nicht zu kapieren, vertieft sich voll in die Datenbankprobleme, die er noch immer nicht versteht. Katja merkt, dass sie ihn hinhalten will. Bloß nicht auflegen, Axel!

Kopf: Das tut man nicht!

Herz: Es ist soooooooo schön! Ich kann sein Lächeln hören. Weiter flirten!

Axel scheint noch immer nichts zu merken. Sonst würden doch bei ihm gleich sämtliche Alarmglocken klingeln und er würde sich schnellstens verabschieden. So war das doch immer.

Kopf: Vielleicht läuten sie ja schon ganz laut. Bloß du blöde Kuh merkst mal wieder nichts, hörst nur, was du hören willst.

Herz: Ach, Unsinn!

Schweige und höre.

Schon lange hat Katja nicht mehr mit jemandem gemeinsam so viel und so herzlich gelacht. Verdammt, warum hat Katja ihm nur den Tipp mit dem TeamViewer gegeben. Jetzt wird er sie nicht mehr im Büro besuchen, sondern die Wartung der Datenbank aus der Ferne steuern.

Kopf: Na, Gott sei Dank!

Herz: Das war echt dumm.

Kopf: Es ist nicht fair, das Spielchen, das du da spielst. Du willst eine Christin sein? Du betrügst – zumindest in Gedanken – deinen Mann und willst Hoffnungen in einem anderen wecken, die du nicht erfüllen darfst.

Herz: Das weißt du doch gar nicht. Der merkt doch überhaupt nichts.

Kopf: Deswegen tust du ja auch alles, um es ihn merken zu lassen.

Herz: Nicht alles.

Kopf: Aber beinahe. Zum Glück lässt du mich ab und an noch ein Wörtchen mitreden.

Herz: Noch.

Kopf: Spinnst du jetzt total? Hallo, Männer sind auch Menschen. Sie haben eine Seele und Würde, wie du. Die darfst du nicht einfach so verletzen.

Herz: Ich weiß. Es tut mir ja auch furchtbar leid.

 

Die Kerzen brennen still vor sich hin.

Schweige und höre.

Nur wenn ich schwach bin, bin ich stark“, meint Paulus.

Katja ist schwach. Entsetzlich schwach. So schwach, dass sie weiche Knie bekommt, vor allem wenn sie an Axel denkt. Und Katja denkt fast ununterbrochen an ihn. Wundert sich, dass sie ihre Arbeit überhaupt gebacken bekommt. Jetzt versteht Katja erst richtig, was es heißt, eine Schwäche für jemanden zu haben. Der andere wird so übermächtig in dir selbst, dass du in deiner Schwachheit zu allem Unfug fähig wirst. Und im Unfug treiben ist Katja ziemlich stark.

Schweige und höre.

Herz: Willst du nicht Axel sagen, dass du dich in ihn verliebt hast und ihn bitten, dich zu entzaubern?

Kopf: Bist du jetzt völlig übergeschnappt? Du hast echt nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Herz: Apropos Tassen: Ich würd so gerne mal einen Kaffee mit ihm trinken.

Kopf: Und dann, was erwartest du dir davon?

Herz: Na ja!

Kopf: Na ja , na ja! Du glaubst doch nicht im Ernst, dass er dir den Himmel voller Geigen hängt und dir sein Herz zu Füßen legt?

Herz: Netter Gedanke. Warum eigentlich nicht?

Kopf: Oh, du ewig Naive, du heillos blinde Romantikerin. Ich glaube, du hast zu viele Rosamunde-Pilcher-Filme gesehen.

Herz: Nur wegen der schönen Landschaften.

Kopf: Blablabla. Ich dachte, du willst entzaubert werden, damit alles ein Ende hat.

Schweige und höre.


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