Was trägt der Papst nach Feierabend?


Als gedrucktes Buch:

Ebersdorf 2008

ISBN 978-3-940445-16-2, 8,65 Euro

 

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Gelesen von der Autorin
Drei mp3 Dateien, 3.5 Spieldauer, » Hörprobe

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Leseprobe

Mitunter fand sich der Papst nur mühsam in seinem neuen Leben zurecht. Nicht selten sann er deshalb bei seinen allmorgend- und abendlich angeordneten Sessions auf seinem Betstuhl darüber nach, wie er das ändern könnte. „Nicht mit mir!“ fasste er eines Morgens den folgenschweren Entschluss. „Ich lasse mich nicht mit meiner gesamten Zeit vor den Karren des Vatikans spannen. Irgendwo werde ich schon Schlupflöcher finden, mittels derer ich den geschichtsträchtigen Mauern hin und wieder entfliehen kann!“
Aber wie sollte er das bewerkstelligen? Mit welcher weltlichen Begierde sollte er einen ersten Versuch wagen? …
 
Schließlich saßen der Papst und Antonia im Kino auf ihren Plätzen, Sixtus schwer bewaffnet mit einer Riesentüte Popcorn und einem Pappbecher voll Cola und hatten Werbung und Vorschau störungsfrei hinter sich gebracht, als ein etwas korpulenter
junger Mann mit ziemlich langen fettigen Haaren und aknenarbigem Gesicht sich neben Sixtus in den Kinosessel fallen ließ, so dass die gesamte Bankreihe erzitterte.
„Hallöle. Au do?“ begrüßte er Sixtus wie einen alten Bekannten. Sixtus drückte sich abwehrend in seinen Sitz hinein und musterte seinen Nachbarn misstrauisch. Dieser begann – umständlicher ging es nicht mehr – sich aus seiner Jacke heraus zu schälen und warf sie über die Rückenlehne des Vordersitzes. Dann klemmte er genauso umständlich einen stark abgenutzten Rucksack zwischen seine Beine. Sixtus rutschte bereits ungeduldig auf seinem Sitz hin und her.
„Endlich gibt er Ruhe!“ flüsterte er zu Antonia gewandt und lehnte sich bequem zurück. Er irrte. Kaum den Mund geschlossen, begann sein Nebensitzer in seinem Rucksack zu wühlen, der bis zum Rand mit knisternden Plastiktüten gefüllt zu sein schien.
„Ich glaub es nicht“, grummelte Sixtus in seinen nicht vorhandenen Bart. „Hat der jetzt nichts besseres zu tun?“’
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Der junge Mann zog eine Tüte Hustenbonbons aus einem der Beutel, öffnete sie geräuschvoll und wickelte sich, ebenso geräuschvoll, sein erstes Bonbon aus dem Knitterpapier. Sixtus hatte nicht mitgezählt, wie viele diesem ersten im Laufe der Vorstellung noch folgten. Aber damit nicht genug. Wenig später, das letzte Eckchen des ersten Bonbons war wahrscheinlich gerade hinuntergeschluckt, suchte sein Nebensitzer erneut in seinem Rucksack. Er zog eine Dose Bier heraus und öffnete sie mit einem kräftigen Zischen. „Prost!“ sagte er laut zu Sixtus gewandt und leerte die Dose in einem Zug, wobei das Bier glucksend über seinen Adamsapfel hüpfte. Ein Rülpsen, ein paar kräftige Schläge mit der Faust auf die Brust, und damit verschwand die leere Dose wieder in einer der Rascheltüten im Rucksack. Immerhin! Sixtus hoffte inständig, dass nun sämtliche Bedürfnisse seines Kinonachbarn befriedigt wären. Er irrte erneut. Denn nun begann sich der junge Mann allmählich auf den Film zu konzentrieren. Oh welch ein Wunder. Man hätte nicht geglaubt, dass er doch tatsächlich ins Kino gekommen sei, um sich einen Film anzusehen. Da er aber den entscheidenden Einstieg verpasst hatte, fand er gar nichts dabei, seinen Nachbarn, also Sixtus, über den Verlauf der bisherigen Handlung auszufragen.
„Pscht!“ ertönte es in diesem Moment aus mehreren Ecken. Und der so Gemaßregelte drehte sich um und rief empört in den Saal:
„Ha, mer wird doch mol no ebbes froge dürfe, odder!“
Beleidigt verschränkte er seine Arme ineinander, versank in seinen Sitz und murmelte Sixtus zu: „So ä domms Volk. Jetz darfsch nett emol meh schwätze. Was moinet die eigendlich, wer die senn!“
Und nur weil er unerkannt bleiben und keinen Streit provozieren wollte, ließ Sixtus das ständige Geplapper seines Sitznachbarn über sich ergehen. So gut es eben möglich war, versuchte er, der Handlung des Films zu folgen.
Aber ehrlich gesagt, das Vergnügen, das sich der Papst von seinem heimlichen Kinobesuch erhofft hatte, blieb so letztendlich aus. Nicht nur, dass sein Sitznachbar immer wieder mit seinen Zwischenfragen störte; er musterte Sixtus auch noch ständig nachdenklich von oben bis unten. Dabei runzelte er die Stirn und schob seinen Mund nach rechts, wobei er seine Schultern hin und her bewegte und schnaubte wie ein Pferd. Ein paar Mal hatte es den Eindruck, als ob er Sixtus etwas fragen wollte, lehnte sich dann aber wieder in seinen Sitz zurück und gab kurz Ruhe. Als die Vorstellung zu Ende war, eilte Sixtus davon und war gerade dabei, seinen Hut aufzusetzen, als eine starke Pranke auf seine Schulter niederfiel. Unglaublich, sein Sitznachbar, dem er
schnell entkommen wollte, hatte ihn doch tatsächlich eingeholt und meinte:
„Mensch, Kerle, die ganz Zeit hab i koi Ruh ghett und überlegt: ‚Isch er’s oder isch er’s nätt?’ – Woisch, ohne dein Hut hätt i di nämlich glatt für de Pabschd ghalte!“ Sprach’s und verließ unter schallendem Gelächter das Kino.

Stimmen zum Buch


Der Tübinger Theologieprofessor Dr. Joachim Köhler schreibt:
 
Um ehrlich zu sein, der Titel als solcher hätte mich nicht dazu verleitet, das Buch zu lesen. Ich habe Christa Krämer tatsächlich unterschätzt. Was wird da schon drin stehen? Irgendetwas Erbauliches, dachte ich. Selbst die Widmung für Papst Benedikt XVI. und seinen Sekretär, den „Dr. Schönwein“, brachte mich nicht auf den Gedanken, dass es sich um eine Satire handeln könnte. Doch wo es für mich interessant wurde, wo der Groschen fiel, war die Szene im Stuttgarter Kino, „als ein etwas korpulenter junger Mann mit ziemlich langen fettigen Haaren und aknenarbigem Gesicht sich neben Sixtus in den Kinosessel fallen ließ…“.
Ein Papst, der einen ganz normalen Wunsch hat, einen bestimmten Film zu sehen, darf nicht normal sein, muss in die Rolle seines Helikopterpiloten schlüpfen, um normal zu sein. In dieser Rolle gerät er in Situationen, die zwar normal sind, aber in die er als Papst niemals geraten wäre. Und ausgerechnet in dieser komischen Situation wäre er fast als Papst erkannt worden.
Ich wollte wissen, wie die Geschichte weitergeht. Gleichzeitig gingen meine Gedanken zurück zu dem bereits Gelesenen. Die banalen Fragen nach der Kleidung, die der Papst am Feierabend trägt, entpuppten sich plötzlich als anormal, wenn sie in die Normalität des päpstlichen Alltags gestellt würden. Der Inhalt des ersten Kapitels lautet: Wer am päpstlichen Hof ganz normale
Fragen stellt, kann nicht mehr als normal gelten. Ein Papst, der normale Fragen stellt, ist nicht mehr normal.
Ich wollte wissen, wie das Problem der Kleiderfragen entfaltet würde. War es nur eine Satire, harmlos, oder doch existentiell bedeutsam? „Was trägt der Papst nach Feierabend?“ – dieses Problem schlägt um in eine Utopie. Utopie – nicht im Sinne eines „Nirgendwo“, eines Wolkenkuckucksheims, – nein, Utopie als Ort, als Wirklichkeit, die einmal Realität werden könnte?
Der Papst, der seine Post selbst sortiert, der die Probleme seiner Bittsteller/innen wahr und ernst nimmt, ein solcher Papst, der in den heutigen Strukturen des Vatikans noch „unmöglich“ ist, – einen Seelsorger wünscht sich die Autorin, der die Feierabendkleidung eines Papstes nicht gleichgültig ist.
So wurde die Lektüre immer spannender, atemberaubender, manches Mal stockte mir der Atem. Jetzt auf einmal wurde mir klar, was für Wahrheiten in den einzelnen Kapiteln erzählerisch und ohne beißende Kritik gesagt werden. In Rom, im Vatikan, rings um den Heiligen Stuhl, wird die Welt, wie sie ist, ausgeblendet. Die Aufmerksamkeit für den Rennfahrer, für den Star, für die Oberhäupter einzelner Länder, denen man Audienzen gewährt, – diese Aufmerksamkeit führt zu dem eigenen Starkult. Die Welt, die dem Papst in den Audienzen vorgeführt wird und mit der er auf seinen Reisen in Berührung kommt, ist eine Scheinwelt. Und wenn in dieser unwirklichen Welt tatsächlich ein Mensch erscheint, der sich so verhält, wie ein wirklicher und normaler Mensch, der eigentlich nichts anderes tut, als dass er die Botschaft der Menschwerdung ins Leben übersetzt, der wirkt wie ein Narr. Selbst
Freundinnen und Freunde, denen dieser Mensch sich spontan als Mensch zu erkennen gibt, fühlen sich zum Narren gehalten, wenn er telefonisch Kontakt zu ihnen sucht.
Ich habe das Büchlein von Christa Krämer mit Vergnügen gelesen, auch wenn ich das kritische Potential relativ spät entdeckt habe. Die sprachlich reizvollen Formulierungen, die ich beim zweiten Lesen entdeckt habe, haben das Lesevergnügen erhöht. Manches Mal, wenn ich eine Predigt von jüngeren Theologinnen und Theologen höre oder lese, frage ich mich, wo haben die ihre Theologie gehört? Bei Christa Krämer stellt sich diese Frage nicht. Sie bekennt sich zu der „kritischen Schule“, in der sie studiert hat.

 P. Ernst Kusterer SD, Stuttgart:
 
Es ist immer wieder interessant mehr über den Lebensstil berühmter, reicher und schöner Leute zu erfahren. Man ist neugierig, wie die sogenannten VIP ́s „ganz privat“ leben, wie sie sich geben, wenn sie nicht beobachtet werden. Frau Christa Krämer, Theologin und Studienkollegin von Prälat Dr. Georg Gänswein, dem Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., erliegt dieser kleinen
menschlichen Neugier. Sie interessiert das Privatleben eines Papstes, seine ganz persönlichen Wünsche, Bedürfnisse, Neigungen und kleinen Schwächen.
Die hohen Mauern des Vatikans und die strenge Aufsicht der Schweizer Garde sind für Frau Krämer kein Hindernis. Sie „erlebt“ ganz einfach „ihren“ Papst, der sich Sixtus VI. nennt, und der als sportlicher, gut aussehender und noch relativ junger Kardinal Fabrizio Vinsanto überraschend im Conclave auf den Stuhl Petri gewählt wird, und der sich mit bisherigen päpstlichen Gepflogenheiten, Zeremonien, Riten, Protokollvorschriften und Gewohnheiten im Vatikan reichlich schwer tut. Was macht er denn mit seinen eleganten, nach perfekten Farbkombinationen zusammengestellten Anzügen und Krawatten, seinen extravaganten Poloshirts, Sporthosen oder den zu seinem Schneeanzug farblich abgestimmten Skiern?
„Was trägt Seine Heiligkeit nach Feierabend?“ Diese Frage wird so zur Titelfrage eines höchst amüsant und spannend zu lesenden Geschichtenbuches über einen Papst, der sich selbst treu bleiben möchte. Da ist z.B. Antonia, seine Jugendliebe, die wieder auftaucht, da ist seine Vorliebe für die magische Welt des Harry Potter, da ist sein heimlicher „ganz privater“ Kinobesuch am Stuttgarter Schlossplatz, da ist seine revolutionäre Idee selbst zu entscheiden, welche Posteingänge wichtig oder unwichtig sind, oder da ist das „rauschende“ Weihnachtsfest im privaten Audienzsaal des Papstes, das viele in Verwirrung stürzt.
Privat ist der Papst ganz anders!
Eine leichte und sehr amüsante Lektüre, die selbst kirchlich nicht sozialisierte Leserinnen und Leser unweigerlich in ihren Bann zieht. Beim Kofferpacken für den Urlaub darf dieses Buch auf keinen Fall vergessen werden!
Im Herbst 2008 machte eine Kirchengemeinde aus Stuttgart einen Pfarrausflug mit dem Bus nach Berlin. Auf der Fahrt wurde Ihr Buch vorgelesen. Die Begeisterung war riesengroß. Selbst der Busfahrer meinte, so schnell verging noch keine Fahrt für ihn.

Beate Köpfle, Oberschefflenz:
 
Da wird ein Kardinal zum Papst gewählt, der überhaupt nicht damit rechnet. Und schon hat er Probleme am Hals, an die er vorher keinen Gedanken verschwendet hat, zum Beispiel die titelgebende Frage: Was trägt der Papst nach Feierabend?
Dazu startet er per Mail eine Umfrage. Köstlich, welche Antworten im Vatikan landen! Kann sich der neue Papst, der übrigens prima aussieht, auch mal aus den kirchlichen Amtsgeschäften ausklinken und beispielsweise ins Kino gehen? Ja, das kann er, aber nicht in Rom, wo ihn jeder erkennen würde, sondern in Stuttgart.
Außerdem noch die Begegnung mit seiner Jugendliebe…
Welch ein sympathischer Würdenträger.
Die Autorin aus Schefflenz gibt uns einen höchst vergnüglichen Einblick ins vatikanische Umfeld und schaut mit viel Fantasie hinter die Kulissen.
Eine Leseempfehlung nicht nur für Katholiken!

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